Ein boshaft-ironischer Text, erschienen als Leserbrief im «Sarganserländer» vom Donnerstag, 18. Februar. Es ging um den umstrittenen Minarett-Fasnachtswagen der JSVP am Sarganser Fasnachtsumzug, im Wesentlichen aber um die Reaktion von SVP-Seite auf die Kritik an ihrer Heldentat.

Autor: Christoph Züllig, Sargans

 

Bäume sind böse

 

(Leserbriefe Walter Brandstetter und Geni Tschirky, «Sarganserländer», Freitag, 12. Februar)

 

Herrn Brandstetters Leserbrief präsentiert wieder mal ein SVP-Weltbild, das sich in vier Wörtern zusammenfassen lässt: SVP gut, andere böse. Das heisst im Detail: Minarette sind böse, der Balkan ist böse, Studenten sind böse, jugendliche Schreiberlinge sind böse usw. Gleich daneben hat sein Kollege Geni Tschirky, offenbar ganz, ganz weit hinter dem Wald beheimatet, einen politisch Andersdenkenden (= böse!) zum Verlassen der Schweiz (=gut!) aufgefordert.

 

Solche Hau-ab-Sprüche kenne ich seit 40 Jahren. Der ganz normale, uralte, langweilige Rechtsaussen-Schwachsinn.

 

Nicht ohne Interesse las ich hingegen, wie der Kirchturm-Fasnachtswagen der JSVP beim Fasnachtsumzug in Sargans am Hinteren Stutz gemäss Herrn Brandstetter «mit erheblichen Schwierigkeiten» konfrontiert wurde, denn – und jetzt kommts! – «gegenüber dem Garten der SP-Gemeinderätin» war da «ein Baum, dessen Äste bedeutend zu tief gewachsen sind», wie es im Leserbrief heisst. Aber da man «Verständnis für SP-Politiker und Grüne» hat, «solange sie auf dem Boden bleiben», riss man den bösen, bösen Ast nicht ab.

 

Seither rätseln Zeitungsleser und Sprachfachleute intensiv über Logik und Zusammenhang in Herrn Brandstetters Text. Am meisten Anklang findet die These, dass bei der SVP massenhaft «Äste bedeutend zu tief gewachsen» sind; denn die brauchen dort mit Sicherheit extrem viel Holz für all die Bretter vor ihren Köpfen.

 

Die Wahrheit liegt jedoch ganz woanders: Das mit den Ästen war ein hinterhältiges Attentat. Auch ich habe nämlich einen Garten dort und bin bei der SP. Und deshalb zettelte ich eine Intrige an, um den saumässig schlechten, geschmacklosen Fasnachtswagen der Blocherjugend mit Hilfe der Äste zu sabotieren. Mitverschwörer waren – wie es Herr Brandstetter ahnungsvoll andeutet – die Bäume am Hinteren Stutz, die Grünen, die SP und sogar die Gärten.

 

Jetzt wissen Sie, Herr Brandstetter, dass jener Ast nicht zufällig genau dort «bedeutend zu tief» wuchs und Sie eine viel zu edle Einstellung gegenüber Linken und Grünen haben. Deshalb sollten Sie Ihre Weltanschauung wie folgt ergänzen: Die SP ist böse, Grüne sind böse, Gärten sind böse, Bäume und Äste sind böse…

 

Christoph Züllig, Sargans