Leserbrief zur Abstimmungsvorlage „Gesetz über Ruhetag und Ladenöffnung“ vom 26. Sept.2010:

 

Ladenöffnungszeiten zum Dritten

 

Steter Tropfen höhlt den Stein scheint die Devise der Liberalisierungswütigen zu sein. Trotz einem zweimaligen Nein des Volkes kommen sie schon wieder mit einer neuen Vorlage. Mir könnte es eigentlich egal sein, wenn dieses Gesetz eingeführt wird. Ich muss ja dann nicht abends für wenig Lohn, mit Arbeit auf Abruf, hinter der Kasse sitzen. Aber irgendwie ist es mir einfach nicht egal.

Ich bin ein entschiedener Gegner einer 24 -Stunden – Gesellschaft. Und diese Vorlage ist eine weitere Treppenstufe dazu. Es ist absolut unnötig die Ladenöffnungszeiten zu verlängern. In jedem Haushalt steht heute ein Kühlschrank mit einem Tiefkühlfach und das Angebot von lange haltbaren Lebensmitteln wird länger und länger. An Tankstellen- oder Bahnhofshops kann jeder und jede schon heute bis 22.00 Uhr kurzfristig Vergessenes besorgen. Wer mit den heutigen Öffnungszeiten nicht zum Einkaufen kommt, der kann nicht organisieren.

Längere Ladenöffnungszeiten verteuern nur die Betriebskosten und diese werden schlussendlich auf den Konsumenten abgewälzt. Sie bedeuten für die Fachgeschäfte einen weiteren Wettbewerbsnachteil gegenüber den Grossverteilern. Verlierer sind aber in erster Linie die Frauen und mit ihnen wieder einmal die Familien, aber natürlich nur die der Arbeiterschicht. Die Leute, die längere Öffnungszeiten durchzwängen wollen, sitzen ja nicht selber abends an den Kassen. Mir ist es lieber, wenn die Angestellten abends zu Hause bei ihren Kindern und ihrem Partner sein können oder die Gelegenheit haben, sich am Vereins- und Kulturleben zu beteiligen. Dies bringt unserer Gesellschaft viel mehr, als längere Ladenöffnungszeiten.

Die SVP ist eine treibende Kraft hinter dieser Vorlage. Diese Partei ist im Sarganserland die Partei der Arbeiter und Arbeiterinnen geworden und präsentiert sich auch als Beschützerin der traditionellen Familie. Wenn man aber genau verfolgen würde, wie sie sich in Sachvorlagen verhält, wie zum Beispiel dieser, müsste eigentlich jeder und jede merken, dass dies nur leeres Geschwätz ist. Aber solange sie ihre Suppe „Kampf gegen das böse Fremde“ weiterkocht, werden ihre Anhänger und Anhängerinnen ihr dies nachsehen. Ich bitte Sie aber bei dieser Vorlage der Parole der SP zu folgen und nein zu stimmen.

Joe Walser, Präsident SP Sargans und Umgebung