PISA 2012

Schulevaluation wirkt!

Von Dr. Bernhard Hauser, Lernforscher an der PHSG und Schulratspräsident von Sargans

Die Schulen der Schweiz haben gemäss dem neuen PISA-Ranking wieder zugelegt. Zusammen mit Liechtenstein sind wir in Mathematik nun das bestplatzierte Land der westlichen Industriestaaten. Im Vergleich mit den vorangehenden PISA-Tests haben wir in Mathe auch Finnland überholt, liegen mittlerweile in allen gemessenen Kompetenzen deutlich vor den anderen skandinavischen Ländern, aber auch vor Deutschland, dem OECD-Mittelwert und den USA. Hocherfreuliches Detail: Innerhalb der bestplatzierten Länder berichten die Schweizer Kinder am häufigsten, in der Schule glücklich zu sein. Schweizer Lehrpersonen unterrichten also nicht nur auf sehr hohem Niveau, sie tun dies auch mit hoher Sozialkompetenz, so dass Kinder eben gerne in die Schule gehen. Liebe Kindergärtnerinnen, Lehrerinnen und Lehrer: Herzliche Gratulation!

Was aber auch wichtig ist: Die Schweiz hat den Anteil der schwach abschneidenden Jugendlichen im Lesen seit dem „Pisa-Schock 2000“ um einen ganzen Drittel (von 20.4 auf 13.7 Prozent) reduzieren können. Damals hatte die Bildungspolitik mit einer breiten Kampagne zur Verbesserung der Lese- und Sprachförderung bei den Schwächsten reagiert. Ohne die Aussensicht von PISA wäre das kaum passiert. Berufsleute in vielen Berufen tendieren oft zu verfrühter Selbstzufriedenheit, wenn ihnen die Konkurrenz nicht deutlich vor Augen geführt wird. Für unsere Schule war die Fremdevaluation PISA deshalb heilsam, ja sogar wirksam. Daraus können wir lernen: Fremdevaluationen sind ein wichtiges Führungsinstrument. Das gilt auch für die Schulen in den Gemeinden. Alle haben ihre blinden Flecken. Ohne den professionellen Blick von aussen entsteht entweder eine geschäftige und zu wenig fundierte Reformhektik oder es werden notwendige Veränderungen „verschlafen“. Der ziemlich unreflektierte und nahezu ausschliesslich von kurzfristigen Sparinteressen motivierte Entscheid des sanktgaller Kantonsrates, die Fremdevaluation aus dem Paket der Schulaufsicht zu kippen, schmälert nun nachhaltig die schulische Qualitätssicherung und –entwicklung in unserem Kanton. Dass unter denjenigen, welche für diesen Entscheid stimmten, auch eine ganze Reihe von Politikern sassen, welche immer wieder danach rufen, den Lehrern „besser auf die Finger schauen“, macht den Entscheid noch viel unverständlicher. Denn dazu wäre die Fremdevaluation das zuverlässigste Mittel gewesen. Bleibt zu hoffen, dass möglichst viele Schulen in den Gemeinden alle paar Jahre diese Verantwortung halt selber übernehmen. Die PHSG hat darauf schon mit einer professionellen und auf unsere kantonalen Verhältnisse sehr gut angepassten Angebotspalette reagiert.

Denn die PISA-Studie zeigt auch: An der Spitze liegen, zum Teil mit grossem Abstand, die asiatischen Länder. Wie auf dem Weltmarkt. Wenn wir dort mithalten wollen und wenn wir dies gleichzeitig in einer unserer Kultur gemässen Weise machen wollen, dann haben wir noch einiges zu tun und dürfen es uns überhaupt nicht allzu bequem einrichten. Selbst innerhalb der westlichen Industriestaaten versinkt man rasch im Mittelfeld, wenn man nicht dranbleibt.

Fazit: Wir dürfen uns also kräftig über den Erfolg in PISA 2012 freuen und sollten diesen Schwung für weitere Qualitätsentwicklung nutzen: Keine Schnellschüsse sondern nachhaltige Entwicklung.