Spitex Sarganserland

Von Joe Walser, Kantonsrat

Völlig überrascht und betroffen nahm ich die Pressemitteilung über den sofortigen Rücktritt der Präsidentin der Spitex Sarganserland zur Kenntnis. Die darauf publizierte Stellungnahme der Gemeindepräsidenten zu der ganzen Sachlage hatte keinen Informationsgehalt und warf mehr Fragen auf, als sie Antworten lieferte.

Als Aussenstehender hatte und habe ich immer noch eine hohe Achtung für das, was Elisabeth Warzinek und ihr Team an Aufbauarbeit geleistet haben. Ich bin der Meinung, dass sie die Zeichen der Zeit richtig gelesen und auch die richtigen Antworten darauf gegeben haben. Unsere Gesellschaft wird immer älter und damit steigt auch die Zahl der pflegebedürftigen Menschen, zusätzlich nimmt die Spitalaufenthaltsdauer stetig ab. Die vielfältigen Leistungen der Spitex ermöglichen es, dass viele ältere Menschen in ihren vertrauten und geliebten eigenen Wänden wohnen können und nicht in ein Alters- oder gar Pflegeheim wechseln müssen. Auch volkswirtschaftlich gesehen ist dies die mit Abstand günstigste Lösung. Der eingeschlagene Weg der Regionalisierung mit den Filialen Ost, Mitte und West ist langfristig gesehen richtig. Dass in der Aufbauphase nicht alles perfekt laufen kann, liegt auf der Hand.

Da es in unserer Welt meist um Geld oder Macht geht, nehme ich an, dass das auch in diesem Konflikt nicht anders sein wird. Alten Zeiten nachtrauern, als im Krankenpflegeverein noch Hausfrauen für einen Stundenlohn von fünf Franken älteren Leuten halfen oder das Büro der Gemeindespitex von Frauen beinahe ehrenamtlich geführt wurde, das darf man, bringt aber nichts. Diese Modelle sind in unserer Gesellschaft und bei den immer komplexeren Aufgaben und Qualitätsstandards nicht mehr möglich. Eine professionell geführte Spitex und die Ausbildung von Pflegefachpersonal kosten etwas und dürfen uns auch etwas kosten. Wenn man die Tarifliste auf der Homepage der Spitex Sarganserland betrachtet, habe ich nicht den Eindruck, dass diese Tarife überhöht sind.

In den letzten Jahren wurden in vielen Gemeinden die Steuern gesenkt. Die öffentlichen Aufgaben haben jedoch in derselben Zeit zugenommen und mit den beschlossenen Sparpaketen des Kantons werden die Belastungen für Gemeinden nochmals zunehmen. Diese angespannte Finanzlage in vielen Gemeinden darf nicht dazu führen, dass man sich nur noch auf seine Gemeindegrenzen zurückzieht, einigelt und die Interessen der ganzen Region ausser Acht lässt. Errungenschaften, wie die regionale Spitex oder das regionale Pflegeheim dürfen nicht gefährdet werden. Diese Tendenz ist leider eindeutig zu spüren. Sie wird aber die Entwicklung des Sarganserlandes lähmen. Wenn wir nicht für immer und ewig eine strukturschwache Region bleiben wollen, müssen wir miteinander und gemeinsam die Probleme angehen und langfristige Lösungen suchen und entwickeln. In Bezug auf die Spitex Sarganserland hat die SP Sarganserland die Erwartung an die Gemeindepräsidenten, dass sie die Weichen richtig stellen und ihre Verantwortung gegenüber pflegebedürftigen Menschen wahrnehmen und das im Interesse einer zukunftsgerichteten Pflegestrategie.