Flucht und Geld

Von Bernhard Hauser, Schulratspräsident und Gemeinderat von Sargans

Aktuell sind aus den Krisengebieten im Nahen Osten in kurzer Zeit schon mehr als 700’000 Menschen im EU-Raum eingetroffen. Täglich werden es mehr. Die Schweiz wird hier nicht abseits stehen, Sargans auch nicht. Bei uns steht immerhin der erste grössere Bahnhof nach Buchs. Zwar möchte niemand Horden von Flüchtlingen im eigenen Dorf. Einige meinen sogar, man solle sie möglichst unfreundlich empfangen, damit sie nicht ihre Freunde und Verwandten, die das Ziel noch nicht erreicht haben, auch noch per Handy zu uns locken. Das kann aber keine Option sein. Wenn immer möglich, werden wir keine Menschen am Bahnhof frieren oder herumstehen lassen. Wir werden sie anständig und freundlich empfangen. Denn den meisten von ihnen ist Schreckliches widerfahren. Fundamentalistischer Terror und Diktaturen sind eine Zeit erscheinung, zu deren Lösung alle Menschen dieser Erde etwas beitragen müssen. Das schaffen die betroffenen Länder niemals alleine. Dazu brauchen sie auch uns.

Orte, aus denen Menschen fliehen, und Orte, zu welchen Menschen hin fliehen. Syrien, Afghanistan, Eritrea, Maienfeld und Wollerau. Wer flieht, der möchte an einen besseren Ort. Einen Ort, wo es ihm besser geht. Um als Flüchtling akzeptiert zu sein, sollte dieser nachweisen können, dass Gefährdung an Leib und Leben vorliegt. Wir wollen keine Wirtschaftsflüchtlinge. Richtig. Ausser: sie haben Geld.

Wirtschaftsflüchtlinge aus dem Inland werden geradezu verhätschelt. Einer der berühmtesten Schweizer, der Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt, war schon vor Jahrzehnten der Meinung, für gute Steuerzahler würden Behörden auch jemanden umbringen. Er hatte absichtlich übertrieben. Aber im Kern hatte er Recht. Gemeinden buhlen um Reiche und Gutverdienende. Natürlich wünschen diese Gutsituierten auch zuweilen, dass die öffentliche Hand investiert – wenn möglich mit lukrativen Aufträgen für den eigenen Betrieb.

Wachstum ist das Zauberwort in guten Zeiten. Dann wächst die Wohngemeinde, es kommen auch mehr Kinder, darum müssen neue Schulräume geschaffen und neue Lehrpersonen angestellt werden. Das Altersheim ist auch bald am Limit, die Sozialfälle nehmen zu, und es müssen neue Strassen gebaut oder alte wegen stärkerer Nutzung saniert werden. Wachstum eben – überall. Das kostet. Und dann brechen schlechtere Zeiten an. Was machen nun diese edlen Gutsituierten, die in guten Zeiten die öffentliche Hand zum Investieren motivierten und von dieser Investitionstätigkeit zum Teil auch stark profitiert hatten, wenn in diesen Gemeinden wegen des starken Wachstums die Kosten und damit auch die Steuern steigen? Genau – sie wandern ab. Zum Beispiel nach Wollerau, oder nach Maienfeld, in unsere inländischen Steueroasen.

Flüchtlinge kosten, Schule kostet, Strassen und Liegenschaften kosten, und wer sich vor dieser Verantwortung davonschleicht, nachdem er profitiert hat, ist ein Schmarotzer. Wirtschaftsflüchtlinge aus dem Inland sind die schädlicheren Schmarotzer als Wirtschaftsflüchtlinge aus dem Ausland. Das musste einmal gesagt werden.

Und noch etwas muss auch gesagt werden: Danke an alle Gutsituierten, die bleiben, auch wenn die Steuern nicht sinken, sondern vielleicht sogar ansteigen. Denn die Folgen von Wachstum sind nicht gratis – und können nicht auf dem Buckel der Kinder und der Alten ausgetragen werden.