Reichtumsverteilung

Den Reichsten 62 gehört die halbe Welt

Von Joe Walser, Kantonsrat und Präsident SP Sarganserland

Die soziale Ungleichheit nimmt weltweit zu: Die 62 reichsten Menschen besitzen so viel wie die Hälfte der Weltbevölkerung, wie die Hilfsorganisation Oxfam im Vorfeld des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos berichtet. Das Vermögen der 62 Reichsten wuchs in fünf Jahren um 500 Milliarden Dollar, während das Vermögen der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung um 1000 Milliarden Dollar abnahm. Ein Hauptgrund für die Entwicklung sei die unzureichende Besteuerung von grossen Vermögen und Kapitalgewinnen sowie die Verschiebung von Gewinnen in Steueroasen. Entwicklungsländern gingen auf diese Weise jedes Jahr mindestens 100 Milliarden Dollar an Steuereinnahmen verloren.

Die Schweiz mischt bei dieser Umverteilung international kräftig mit. Kleinräumig spielt sich in der Schweiz zwischen den Kantonen und Gemeinden der genau gleiche Prozess ab. Wenn wir diese kranken Auswüchse nicht eindämmen, werden schlussendlich alle die Verlierer sein. Soziale Spannungen werden zunehmen. Die Flüchtlingsströme, die sich auf das Paradies Europa zubewegen sind wohl nur der erste Vorgeschmack, auf das, was uns erwartet. Ich meine, es würde sich lohnen, Gegensteuer zu geben und uns für mehr Gerechtigkeit auf dieser Welt einzusetzen.

Mich erinnert das Ganze schon lange an das mittelalterliche Feudalsystem. Damals glaubte auch eine kleine privilegierte Oberschicht unerschütterlich daran, dass alles rechtens und gottgegeben sei. Adelstitel und Besitzgüter inklusive Untertanen wurden weitervererbt. Heute werden Kapital und Beteiligungen weitervererbt. Die meisten Reichen sind Erbmillionäre. Man hielt sich früher Hofnarren und hielt die Untertanen mit Brot und Spielen bei Laune, dazu gehörten auch öffentliche Hinrichtungen. Das haben wir doch heute auch wieder. Ganze Fussballclubs, inklusive ihrer modernen Gladiatoren, werden als Spielzeuge gehalten. Man spart in den Steueroasen und errichtet dafür Stiftungen. Damit kann man Steuern optimieren und die Macht des Spenders ausüben. Wir Sozialdemokraten kämpfen schon seit Jahren erfolglos gegen diese Entwicklung an. Das hat nichts mit Neid zu tun, sondern mit der berechtigten Sorge, dass das Ganze in sozialen Unruhen enden könnte. Das Ende des Feudalsystems verlief blutig. Das kann ja sicher nicht das Ziel sein.

Warum gibt unsere Gesellschaft kein Gegensteuer? Warum unterstützen weite Teile der Bevölkerung diese Entwicklung durch ihr Wahl- und Abstimmungsverhalten? Haben wir den Überblick verloren? Werden wir mit Scheinproblemen abgelenkt? Sind uns die christlichen Grundwerte verloren gegangen? Sind wir zu satt, träge und gleichgültig geworden? Natürlich haben auch die Reichen unserer Zeit einen grossen politischen Einfluss und halten sich ihre politischen Hampelmänner und Hofnarren. Zudem versuchen sie die Medien und damit die öffentliche Meinungsmache zu beherrschen und beeinflussen. In der Schweizer Politik besitzen wir ein Paradebeispiel für den ganzen Prozess. Traurig ist, dass neben der SVP auch alle andern bürgerlichen Parteien diese Missstände nicht nur vorbehaltlos unterstützen sondern zementieren.

Zurzeit findet in Davos das WEF statt. Es ist illusorisch und naiv zu glauben, dass die Mächtigen und Reichen dieser Welt sich selber zähmen. Ohne politischen Druck werden sie keine Zugeständnisse machen. Wenn einem diese Fehlentwicklung stört, gibt es in der Schweiz nur eine grosse Volkspartei, die man wählen kann, die SP.