Thema - Lernen und Leisten

Leistung in der Schule – echte Chancen für alle Kinder

Von Dr. Bernhard Hauser, Schulratspräsident und Gemeinderat von Sargans, SP-Kantonsratskandidat

Mit dem Referat „Schule: Leistung, Freude am Können, Wettbewerb und Noten“ verdeutlichte SP-Kantonsratskandidat Dr. Bernhard Hauser, Professor PHSG und Schulratspräsident von Sargans, die Stärken, Herausforderungen und Bedingungen einer erfolgreichen leistungsorientierten Schule. Joe Walser, erneut kandidierender Kantonsrat der SP und Reallehrer von Sargans, ergänzte mit dem Blick aus der Praxis.



Die Veranstaltung fand am Montagabend 18. Januar in passender Umgebung im RDZ (Regional-didaktischen Zentrum) in Sargans statt. An der vorausgehenden Führung durch das RDZ schilderte Silvana Hummel, Expertin für didaktische Materialien, auf höchst einladende und motivierende Weise, wie Lehrpersonen und Schulklassen an diesem Ort für unterschiedliche Themen inspiriert und unterstützt werden. Ein Angebot aus modernen aktivierenden und trefflichen Materialien für verschiedene Themen, von unschätzbarem Wert für Lehrpersonen aus der näheren und weiteren Umgebung, welches eindrücklich zur Qualität vieler Unterrichtsstunden beiträgt.

Das Referat begann Hauser mit der unbestrittenen Philosophie, wonach Kinder in der Schule möglichst viel lernen und sich dabei sowohl sozial wie auch persönlich gesund entwickeln sollen. Umstritten sei, wie viel Leistungsorientierung, Erwartungen und Wettbewerb für Kinder zuträglich sei. Zunächst sei festzuhalten, dass für den Erwerb wichtiger Kompetenzen Lernen deutlich wichtiger sei als Begabung. So schneiden Länder, in welchen Menschen daran glauben, dass Können gottgegeben ist, in Schulleistungsstudien deutlich schlechter ab als Länder, in denen Können als Ergebnis von Lernen und Anstrengungsbereitschaft aufgefasst werde. Auf den Punkt gebracht: Wo der Herrgott die Talente verteilt, da darben Wirtschaft, Bildung und Forschung.

Auch wenn Noten und Wettbewerb immer wieder kritisiert würden, sei zur Kenntnis zu nehmen, dass die Lernerfolge in zu vielen Schulen mit Abbau oder Reduktion von Noten und Wettbewerb nicht überzeugen. Deshalb soll beides beibehalten werden. Denn der Wettbewerb in der Schule sei grundlegend für die Vorbereitung auf den Wettbewerb im späteren Berufsleben. Interessant sei, dass benachteiligte Kinder aus vernachlässigenden Familien sich am besten entwickeln, wenn sie einerseits früh eine gute Beziehung zu einer erwachsenen Person ausserhalb der Familie aufbauen können, und – ein etwas unterwarteter Befund – wenn früh an sie hohe Erwartungen herangetragen werden. Mitleid und Überbehütung scheinen gerade diesen Kindern eher zu schaden. Am besten gedeihen Kinder auf dem Boden guter Beziehungen und hoher Erwartungen – vor allem an die Selbständigkeit und Selbststeuerung. Lehrpersonen sollten den Kindern also etwas zumuten und zutrauen – nur so können sie daran wachsen.

Eine solche Zumutung sei sogar für den Kanton St. Gallen typisch: Er gehöre zu den Kantonen mit den meisten Lektionen pro Kind, was in einem positiven Zusammenhang mit den über Jahre konstant guten PISA-Ergebnissen stehe. Damit die Bildung in unserem Kanton weiterhin als wirksamste Investition in die Zukunft getragen wird, braucht es Menschen im Kantonsrat, welche dafür wirklich einstehen und zum Beispiel das Sparen an Lektionen auf allen Stufen entschieden ablehnen.

Im anschliessenden Bericht aus der Praxis zeigte Joe Walser, wie wichtig es für seine Jugendlichen in der Realklasse sei, dass sie – gerade in den Bereichen Selbststeuerung, Zuverlässigkeit, Anstrengungsbereitschaft und im Sozialen – gute Kompetenzen entwickeln. So haben auch sie gute Chancen für erfolgreiche Berufsausbildungen in ihren Interessenbereichen. Dabei komme man – so Walser – mit dem herkömmlichen Notensystem sehr gut zurecht, wobei die seit nun schon mehreren Jahren eingesetzten Orientierungsmodule gute Dienste leisten würden.

Der intensive Austausch mit dem sehr interessierten und aktiven Publikum zeigte, dass das Thema „Schule und Leistung“ Menschen aller Altersgruppen interessiert und immer wieder stark beschäftigt, dass vieles in unserem Kanton diesbezüglich gut funktioniert, einiges erhalten aber auch noch nachgesteuert werden sollte.