Thema - Frühe Bildung

Frühe Bildung lohnt sich – für Kinder und Steueramt

Von Dr. Bernhard Hauser, Schulratspräsident und Gemeinderat von Sargans, SP-Kantonsratskandidat

Mit dem Referat ,,Frühe Bildung und Betreuung - zum Wohl der Kinder“ illustrierte SP-Kantonsratskandidat Dr. Bernhard Hauser, Professor PHSG und Schulratspräsident von Sargans, die sowohl familiär-pädagogischen wie auch die steuerlichen Vorteile von Angeboten für kleine Kinder. Brigitta Gruber Schlumpf, ebenfalls Kantonsratskandidatin der SP und Schulrätin von Vilters-Wangs, ergänzte mit dem Blick aus der Praxis.



Der Informations- und Diskussionsanlass fand am Dienstagabend 12. Januar sinnigerweise im Hort Zottelbär in Walenstadt statt.

Frühe Bildung und Betreuung werde nicht selten kontrovers diskutiert. So seien viele Menschen der Meinung, für eine Kita-Betreuerin oder eine Kindergärtnerin reiche es, das Herz auf dem rechten Fleck zu haben. Befunde aus sehr breit angelegten Untersuchungen zeigen aber laut Hauser, dass die Kinder mit den am besten ausgebildeten sozialen und schulischen Kompetenzen in vorschulischen Institutionen waren, in welchen die Mitarbeitenden am besten ausgebildet waren. Qualität sei deshalb ohne Professionalisierung nicht zu haben.

Aus der Bevölkerung sei immer wieder zu hören, Krippen und Horte kosten viel und nützen wenig. Dabei seien gerade die Langzeitwirkungen enorm: Deutlich weniger Delikte, Gefängnisaufenthalte, Sozialhilfe- und Sonderpädagogikkosten, dafür erheblich grössere Steuererträge infolge regelmässiger Arbeit und beruflicher Entwicklung. Vergleicht man die Effekte über mehrere Jahrzehnte, so schaut pro in die frühe Unterstützung investierten Franken ein Gewinn (return on invest) von 7 bis 12 Franken heraus.

Schweizer Studien aus den Regionen Bern und Werdenberg-Sarganserland zeigen gemäss Hauser, dass Kosten und Nutzen sich bei den Gemeinden etwa die Waage halten, dass aber die Kantone und vor allem der Bund in nicht geringem Mass profitieren. Hier müssten, wie Hauser im Hinblick auf eine mögliche Aufgabe im Kantonsrat erläuterte, die finanziellen Vorteile – zugunsten der Gemeinden – nachgesteuert werden.

Ein weiteres Thema war die Frage, ob der Staat die ausserschulische Fremdbetreuung überhaupt mitfinanzieren soll. Gemäss Befragungen nimmt in der ganzen Schweiz der Anteil an Eltern, die nur noch in Gemeinden mit Kita und Hort ziehen, kontinuierlich zu. Ein Kanton, der an einer gesunden Durchmischung der Bevölkerung in den Gemeinden ernsthaft interessiert sei, müsse Kita’s und Horte zwingend fördern, denn sie erhöhen den Anteil an Familien, in denen beide Elternteile arbeiten und sich beruflich entwickeln wollen, reduzieren aber auch die Sozialkosten vorab bei Alleinerziehenden – gerade wenn diese mehrere Kinder haben.

In den anschliessenden Berichten aus der Praxis berichtete Brigitta Gruber Schlumpf vom DaZelino, einer Frühförderung für dreijährige Kinder mit Migrationshintergrund, welche Vilters-Wangs zusammen mit Sargans anbietet. Diese Kinder werden dabei an einem Nachmittag pro Woche – meist zusammen mit deren Müttern – in spielerischer Weise auf den Kindergarten vorbereitet, sprachlich gefördert und in wichtige Rituale und Gepflogenheiten eingeführt. Der rege Austausch mit dem Publikum zeigte, dass vor Ort schon einiges gemacht wird, einiges aber auch noch verbessert werden sollte.

An der abschliessenden Führung durch den Hort Zottelbär schilderte die Geschäftsleiterin Barbara Tonn höchst überzeugend und packend den anspruchsvollen aber auch bereichernden Alltag mit ihrem Personal und den Kindern – da wäre wohl so mancher CEO nicht wenig überfordert.

Es war ein insgesamt überaus informationsreicher, anregender und das Thema aus allen Facetten beleuchtender Anlass, der eindrücklich zeigte, dass die kantonale Strategie „Frühe Förderung“ unbedingt weiter zu verfolgen und zu verstärken ist.